Was ist ein richtiges Buch?

Kolumne_allg_02aVon Jana Oltersdorff

„Ich lese nur richtige Bücher.“ Ja, äh, klar. Oder? Ich bin neulich wieder über diese Aussage gestolpert, als es in einer Büchergruppe bei Facebook um die Frage ging: Liest du lieber eBooks oder (Achtung, jetzt kommt’s) richtige Bücher?

Ganz viele Diskussionsteilnehmer beantworteten die Frage brav mit einer dieser drei Optionen:

  1. Ich lese lieber richtige Bücher.
  2. Ich lese lieber eBooks.
  3. Ich lese beides. Mal so, mal so.

Ich fühlte mich auch berufen, die Frage zu beantworten, nur stolperte ich einfach über diese Sache mit den „richtigen“ Büchern. Das verstand ich nicht. Nein, ich wollte es nicht verstehen. Denn mir war durchaus klar, was die Fragestellerin gemeint hatte. Sie hatte natürlich wissen wollen, ob wir das Medium eBook oder das gedruckte Buch bevorzugen. Aber hätte sie das nicht auch einfach genauso fragen können? Also gab ich folgende Antwort:

„Ich lese am liebsten gute Geschichten. Das Medium ist zweitrangig.“

Den nachfolgenden Beiträgen konnte ich entnehmen, dass gar nicht mal wenige meine Auffassung teilten. Dennoch kamen immer noch ganz viele Antworten im Sinne von: Richtige Bücher sind natürlich nur solche aus Papier, so gedruckte, mit Buchdeckel, zum Drin-Herumblättern, mit lecker Buchduft und zum dekorativen Ins-Regal-Stellen.

Passend dazu ließ sich fast zum selben Zeitpunkt Heike Winnemuth in ihrer stern-Kolumne über die Frage aus, warum man überhaupt so viele Papierbücher zu Hause hortet und welche Vorteile es haben kann, sich von diesen Altlasten zu trennen. Bücher wegwerfen – das ist ja auch so ein Tabuthema. Dabei spricht Frau Winnemuth gar nicht gleich davon, gelesene Bücher in den Altpapiermüll zu entsorgen. Ihr geht es eher um die Frage, wieso wir uns überhaupt so zustellen mit gelesenen Büchern, die wir doch in 99 Prozent aller Fälle kein zweites Mal lesen. Aber ich schweife ab.

Worum es mir geht: Was soll bloß immer diese Entscheidungsfrage eBook oder Print? Oder wie hier formuliert: eBook oder richtiges Buch? Was ist denn falsch an einem eBook? Ja gut, rein steuerlich-rechtlich handelt es sich um einen digitalen Datenträger, vergleichbar mit Software oder einer Musik-CD. Aber inhaltlich? Wenn ich Stephen Kings „Revival“ als Hardcover lese, dann lese ich ein Buch, da würde mir jeder zustimmen. Aber wenn ich dieselbe Geschichte als eBook lese? Was konsumiere ich da? Hat sich der Roman dadurch plötzlich in etwas Anderes verwandelt? Ist es plötzlich keine „richtige“ Geschichte mehr? Ist ein eBook gar ein falsches Buch? Eines, das nur so tut? Ein Buch-Fake?

Nachdem eBooks längst einen signifikanten Marktanteil am Büchermarkt halten, wäre es da nicht langsam an der Zeit, diese seltsam antiquierte Denkweise abzulegen und eBooks zu Büchern zweiter Klasse zu degradieren? Es mag ja weiterhin gut und schön sein, darüber zu diskutieren, ob das Lesen eines Buches mehr Spaß macht/bequemer/umweltfreundlicher/hipper ist, wenn man es als eBook oder Printversion konsumiert, aber ich wünsche mir wirklich, dass die LeserInnen endlich aufhören, zwischen eBooks und „richtigen“ Büchern einen so himmelweiten Unterschied zu machen, als handelte es sich um zwei strikt voneinander getrennte Welten. Der einzige Unterschied ist das Medium. Schaut mal rein und vergleicht ein Papierbuch mit seiner elektronischen Schwester: Es steht in beiden Versionen dieselbe Geschichte drin. Echt jetzt.

Jana Oltersdorff

 

4 Replies to “Was ist ein richtiges Buch?”

  1. Aleshanee

    Guten Morgen!

    Ein schönes Thema 🙂
    Ich selber unterscheide Bücher indem ich sie für mich als lesenswert oder uninteressant einstufe. Punkt. ^^

    Aber, ich sammle auch, und zwar im Regal. Ich finde es einfach wohnlicher und gemütlicher, mich mit Büchern zu umgeben. Andere sammeln Teelichtständer, andere Elefanten oder Eulen. Ich eben Bücher. Dazu kommt: ich bin ein Coverfan. Ich liebe schöne Cover und die möchte ich mir auch gerne in Farbe anschauen.

    Ich hab auch einen Kindle. Die Cover hier in schwarz-weiß sind einfach nicht dasselbe – was aber dem Buch an sich keinen Abbruch tut. Der Umwelt zuliebe wäre natürlich eine komplette Umstellung auf ebooks natürlich besser und ich denke auch, dass wir da in Zukunft nicht drumherum kommen werden.

    Warum es jetzt grade viele „richtige“ Bücher nennen weiß ich auch nicht, vielleicht aus Ermangelung eines Wortes, ich weiß auch immer nie, was ich dazu sagen soll … Papierbuch? Eigentlich einfach Buch, weil das andere hat ja schon den Namen ebook ^^

    Dass sich so viele sträuben, naja, das ist ihre Sache. Aber deswegen ebooks zu belächeln oder als „nicht richtig“ zu bezeichnen, finde ich schon sehr verquer 😀

    Liebste Grüße, Aleshanee

  2. Hermann Markau

    Gut gebrüllt, Löwe! Ich glaube, dass es zwar noch einige Zeit braucht, bis Dein Wunsch in Erfüllung geht. Aber diese Zeit wird kommen. Sicher!

  3. Patricia Jankowski

    Ein schöner Artikel!
    Ich finde die Unterscheidung auch sehr verquer.

    Allerdings sollte man hier nicht über die Umweltfreundlichkeit des neuen Mediums diskutieren, Aleshanee. Denn es gibt immer wieder Berichte darüber, wie extrem umweltbelastend die Herstellung und spätere Entsorgung der eReader ist.
    Das eigentliche Buch an sich ist natürlich als ebook wesentlich umweltfreundlicher, keine Frage.

    Ich selbst lese übrigens zur Zeit fast ausschließlich ebooks, stelle mir aber zeitgleich die Hardcoverausgaben meiner Lieblinge ins Regal – einfach, weil ich schöne Bücher liebe ;o)