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Was hat ein Buchpirat den Autoren zu sagen? [Kolumne]

18/10/2013

Ihr könntet mit Recht denken und sagen: 'Nichts!'

Von Spiegelbest

Unter euch sind viele, die mit eigenen Ideen, Entwürfen, einem eigenen Stil ihr Werk befüllen. Sie haben etwas Neues geschaffen, das ihnen nach geltendem Recht und Moral gehört. Ich wende mich hierbei an jene Autoren, die sich nicht bei anderen Autoren bedienen, denn solche ‚Kloner‘ sind nicht besser als Buchpiraten – schlimmer noch, da unehrlich und hinterhältig.

Wollt ihr ehrlichen Autoren dem Buchpiraten trotzdem zuhören? Letzte Gelegenheit sich auszuloggen – ihr seid gewarnt!

piratZuerst einmal möchte ich mich vorstellen: Ich bin Spiegelbest und war zu meiner Zeit bei TorBoox der wohl bekannteste Buchpirat in Deutschland. Zu meiner Zeit? In der Tat bin ich kürzlich bei TorBoox ausgestiegen. Wer von euch TorBoox nicht kennt: werbefrei, drm-frei, kundenfreundlich. Für einen Monatsbeitrag von € 3,33 bekommt ihr Zugriff auf 42.000 Titel – allesamt geklaut (wir sagen ‚befreit‘) – viele Indies darunter, vorwiegend aber Verlagsautoren, schwerpunktmäßig Bestseller.

Ich bin also ein ‚Ex‘-Buchpirat, wenn ihr so wollt. Warum ich ausgestiegen bin? Der wichtigste Grund war für mich, dass ich nicht Gesetzesbrecher und Gesprächspartner in einem sein kann. Ich kann die Sache der Buchpiraten nicht vertreten, wenn ich selbst einer bin. Dann sind meine Positionen schuldhaft belastet. Das seh ich ein und blicke zurück.

Als ich anfing, Ebooks zu lesen, war ich noch kein Buchpirat, aber mit Staunen erfüllt, welche Möglichkeiten sich mit diesem Medium boten. Zuerst war mir klar, dass Druck, Bevorratung und Vertrieb eines solchen ‚Buches‘ gegen Null gehen. Und dann war mir klar, dass jeder Autor jeden Leser – egal wie viele – jederzeit überall erreichen kann. Ich bin in meinem wirklichen Leben selbständiger Einzelhändler und wusste sofort, dass der Preis eines solchen Produktes unweigerlich – harte Konkurrenz vorausgesetzt – gegen Null gehen würde!

Meine Kinder zogen sich alles aus dem Internet: Musik, Spiele, Software, Filme. Bezahlt wurde grundsätzlich nicht. Das Thema Bezahlung habe ich nur einmal angeschnitten und wurde tagelang ignoriert. Nur Bücher gab es im Internet sichtbar nicht! Tja, und so bin ich Buchpirat geworden.

Papierbücher haben Schranken: Ladentüren, Transportwege, Auflagenhöhe, Verpackung, Kassenterminals, Retouren, Vergilbung. Dieses ‚Ebook‘ aber kennt keine Schranke. Selbstredend wurde es im Buchhandel wie ein Kleinkind behandelt. Aber die Buchpiraten haben Papierbücher lange vor Amazon gescannt und in Ebooks verwandelt. Den Buchpiraten war eigentlich zu jeder Zeit klar, dass dieses Kleinkind sein Elternhaus eines Tages abbrennen würde.

Und jetzt wende ich mich an euch mit der Frage, wie ihr euch zu diesem Medium stellen wollt. Ihr könnt nicht von einem Fisch verlangen, dass er fliegen lernt. Wenn ihr Angst vor dem Wasser habt, dann bleibt halt am Strand. Aber wer sich hineinwagt, der muss schwimmen, sonst ertrinkt er.

Bisher diskutieren wir die Frage, ob das Wasser Autoren zum Schwimmen zwingen darf. Moral, ideologisch, deutsch. Sorry, aber das Wasser zwingt euch nicht zum Schwimmen. Ihr habt die freie Wahl. Jederzeit könnt ihr euch entscheiden zu ertrinken.

Sind ein Ebook und Buchpiratie nicht zwei Dinge? Nein, sage ich, eins geht nicht ohne das andere! Stellt euch eine Ware vor, die wie Luft oder Wasser ist: kein Preisschild, keine Ladentür, kein Besitzer, keine Polizei. Diese Ware wird entwendet werden! Macht dem Dieb Vorwürfe, wie ihr wollt, aber es wird euch nicht helfen! Buchpiraterie gehört zum Ebook, wie Musikpiraterie zur Musik: Alles Digitale ist herrenlos.

Und das will ich den Autoren sagen: Nehmt das Medium, wie es ist. Seht die Möglichkeiten und akzeptiert die Abgründe!

Spiegelbest

 

Diskussion hierüber auch bei Facebook und im Forum.

 

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One Response to Was hat ein Buchpirat den Autoren zu sagen? [Kolumne]

  1. Aufruhr im Autorenland | Renates Blog on 24/10/2013 at 14:15

    […] Was hat ein Buchpirat den Autoren zu sagen? [Kolumne] […]

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