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Von Gastronomie, Grauen und Gedichten: Kathleen Stemmler im Qinterview

29/11/2016

Qinterview 3Zum Glück haben Menschen so viele Facetten, dass sie selbst Dinge, die völlig unpassend zueinander scheinen, in sich vereinen können. Dies ist auch bei Kathleen Stemmler so. Im Qindieregal finden wir von ihr ein Sachbuch für Betriebsfachwirte und Gedichte. Dabei liest sie am liebsten in dunklen Gefilden. Aber lest selbst dieses spannende Qinterview:

1.    Wer bist du und was machst du in puncto Self-Publishing?

Biographie

Mann     Frau
Geburt
12.2.
neunzehnhundertneunundsiebzig
Krippe Garten
für Kinder
6 Jahre
Schule
3. Klasse
Russisch
später Wende
Umbruch
andere Welt
Anschauung
bald
Abitur
dann
vielleicht                               Lehre
vielleicht                             Studium
vielleicht                              bekannt
vielleicht                              berühmt
vielleicht auch nicht

Diese Worte von mir sind nun mittlerweile 20 Jahre alt. Zwei „Vielleicht“ können wir nun auf der Checkliste meines Lebens abhaken. Ich habe eine klassische Lehre absolviert und dabei das Glück gehabt, meinen Traumberuf zu erlernen. Auch wenn mich das Leben nun beruflich in eine andere Richtung geschubst hat, so bleibe ich im Herzen Gastronom. Das andere, fertige „Vielleicht“ betrifft meinen Bekanntheitsgrad. Wenn man auf der Leipziger Buchmesse erkannt wird, ist man bekannt, oder? : Angesprochen wurde ich da auf meinen Gedichtband. Mein Fachbuch ist zu sehr auf eine spezielle Zielgruppe ausgerichtet, als dass es massentauglich wäre. Meine Gedichte sind zwar auch nicht für das breite Publikum geschrieben, aber dann doch einprägsamer. Veröffentlicht habe ich bisher selbst einen Gedichtband, ein Fachbuch und mit zwei anderen Autoren eine kleine Anthologie. Außerdem bin ich in zwei Qindie-Anthologien vertreten.

2.    Bisher stehst du mit Gedichten und einem Sachbuch im Qindie-Regal und den Buchhandlungen. Bekommen wir irgendwann auch belletristische Prosa?

Ja, die gibt es sogar schon. Unter anderem dank Qindie :. In der Halloween-Anthologie „Dunkle Seelen“ war bereits eine, sagen wir, prosaähnliche, Geschichte von mir enthalten, die ich selbst immer wieder gern lese. In der diesjährigen Anthologie „Besessen“ ist es dann tatsächlich eine richtige, echte, jeder formalen Definition entsprechenden Kurgeschichte geworden.
Im Kopf ist schon länger ein ganzer Roman geplant, von dem bereits der erste Teil als Kurzgeschichte veröffentlicht ist. Nur (und jetzt kommt das Dilemma eines nebenberuflichen Self-Publishers) fehlt mir die Zeit, den Rest zu Papier zu bringen.

3.    Was hat dich dazu bewogen, deine Bücher selbst zu veröffentlichen?

Mein erster Grund für das Self-Publishing war 2011 ein ganz einfacher: ich fand für meine Lyrik keinen Verlag. Dafür schrieb ich (und schreibe auch heute noch) zu speziell. So stand es zumindest in einer Absage. Da jedoch das Bedürfnis nach Veröffentlichung zu groß in mir wurde und ich durch einen guten Freund von den vielen Möglichkeiten des Self-Publishings erfuhr, wagte ich vor mehr als 5 Jahren diesen Schritt.
Mittlerweile schätze ich die Freiheit des Self-Publishings. Gerade da ich nicht wirklich Mainstream schreibe, kann ich auf diese Art und Weise meine eigenen Gedanken frei nach meinen Wünschen veröffentlichen.
Dass ich mein Fachbuch selbst auf den Markt gebracht habe, lag damals am Zeitfaktor. Ich wusste, dass mein Thema auf dem Markt benötigt wurde und machte mich dann an die Arbeit, den Markt schnellst möglich zu bedienen.

4.    Wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Self-Publishing?

Bisher sind meine Erfahrungen dazu durch die Bank weg positiv. Natürlich steckt mehr Arbeit dahinter, aber dadurch habe ich auch alles selbst in der Hand.

5.    Was findest du beim Self-Publishing problematisch?

Wie bereits erwähnt, ist man als Self-Publisher ja für alles verantwortlich. Da ist man Autor und Verleger gleichzeitig. Und damit geht viel Zeit einher, die ich häufig nicht habe.

6.    Was erscheint dir nützlich, um das Problem zu beheben?

Leider kann ich mir da nur selbst helfen. Ich bin jedoch ein absoluter Prokrastinator. Das sieht man auch daran, dass ich diese Fragen hier einen Tag vor der Deadline beantworte. 🙂 Ich würde ja mal ein Seminar über Zeitmanagement besuchen, nur fehlt mir die Zeit dazu.

7.    Wieso tust du dir die Härten des Selbstverlegers freiwillig an? (Leserfrage)

Es ist tatsächlich die damit verbundene Freiheit, mich selbst zu verwirklichen, vor allem bei meinen Gedichten. Bei aller Kritikfähigkeit, die ich an den Tag lege (und auch das musste ich hart lernen), meine Gedichte sind meine tiefsten Gedanken, ähnlich einem Tagebuch. Da möchte ich nicht, dass mir jemand sagt, dass etwas grammatikalisch falsch sei.

8.    Wer sind deine ersten Testleser? Und warum dürfen gerade diese Leser deine Worte zuerst genießen?

Ich habe zwei Testleser, zwei meiner engsten Freunde. Beide sind grundlegend ehrlich zu mir und dürfen mich auch kritisieren. Und das tun die beiden auch. Sie scheuen sich nicht, mir auch mal zu sagen, wenn etwas Mist ist. Außerdem haben sie auch den inhaltlichen bzw. fachlichen Bezug zu mir, denn es handelt sich zum einen um eine Ausbilderin, sie schaut sich zuerst die fachlichen Sachen an (ich schreibe auch Artikel für eine Fachzeitschrift). Und der andere Freund ist selbst auch Autor, da wissen wir beide einfach, was wir in Gesprächen meinen.

9.    Hat dich schon einmal ein Treffen mit einem Fan zu einer Idee inspiriert? (Leserfrage)

Nein, bisher noch nicht. Aber das kann alles noch kommen. Wobei der- oder diejenige dann bestimmt sterben würde. Notfalls auch grausam.

10.    Kommt es vor, dass Figuren etwas anderes tun oder sagen, als du geplant hast? (Leserfrage)

Auch das ist bisher noch nicht passiert. Meine ersten Prosaversuche und auch die Romanidee, die ich habe, standen bzw. stehen im Kopf fest. Da ich mich als Chef sehe, haben die Figuren auch das zu erledigen, was ich vorschreibe.

11.    Wie hat sich dein Alltag durch das Schreiben verändert?

Nicht viel. Denn ich habe schon immer geschrieben. Genauer gesagt, seit der ersten Klasse, denn als ich schreiben konnte, habe ich Geschichten verfasst (ich war ein Streber, ich gebe es zu). Für mich gehört das Schreiben zum Alltag. Mein häusliches Büro ist auch aufs Schreiben ausgerichtet, es gibt eine Weißwandtafel und auch ein Flipchart. So kann ich meine Ideen jederzeit aufschreiben. Im ganzen Haus liegen dazu noch Notizbücher rum und in der Handtasche habe ich selbstverständlich auch immer etwas zum Schreiben dabei.

12.    Was machst du, wenn du nicht schreibst?

Beruflich bin ich in der Erwachsenenbildung tätig, daher auch die Idee des Fachbuches. In meiner Freizeit bin ich Film-, Serien- und Buchnerd mit Leib und Seele. Daneben bekommt dann mein Hund seine Streicheleinheiten. Ganz selten spiele ich Hausfrau und koche Marmeladen und so weiter ein.

13.    Wie bist du zum Schreiben gekommen? Durch wen oder was?

Wie bereits erwähnt, schreibe ich, seit ich 6/7 Jahre alt bin. Ich habe schon als Kind gerne gelesen oder habe mir vorlesen lassen. Da dachte ich mir wahrscheinlich (so richtig kann ich es nicht mehr nachvollziehen), dass ich das auch will. Also Geschichten erfinden. 🙂
Später haben sich die Gründe etwas geändert, da war es so (und ist es auch heute noch), dass die Gedanken einfach aus meinem Kopf raus müssen. Ansonsten würde dieser platzen.

14.    Was liebst du am Schreiben? Was magst du nicht so sehr?

Es ist weniger das Schreiben selbst, sondern das Gedanken, Worte, Sätze zu Papier bringen. Ich genieße es sehr, wenn ich dann das Geschriebene vor mir sehe und noch einmal durchdenke.
Nicht so sehr mag ich das Formale um die Veröffentlichung selbst, das Formatieren, Korrigieren und immer wieder das Überarbeiten. Da wird es aber vielen Kreativen so gehen.

15.    Wie geht deine bessere Hälfte/Familie mit deinem „Schreibwahn“ um?

Meine Eltern sind sehr stolz auf das, was ich da tue, auch wenn sie das Geschriebene nicht immer verstehen. Aber ich habe sie schon mehrmals dabei „erwischt“, wie sie damit angegeben haben.
Meiner besseren Hälfte geht es da genau so, er macht auch immer aktiv Werbung für mich. Bei den bisherigen Kurzgeschichten hat er auch quergelesen und mir Fehler, die ich übersehen habe, aufgezeigt. Das Schönste aber ist, dass er sich immer sehr mit mir freut, wenn etwas veröffentlicht wird oder eine andere positive Nachricht eintrudelt.

16.    Was liest du gern? Welches Genre? Gibt es einen speziellen Autor? (Leserfrage)

Mein Bücherregal ist übervoll, und der Stapel ungelesener Bücher höher als ich. 🙂 Ich lese gern spannend, Thriller und Horror. Weiterhin lese ich ab und an Dystopien, Jugendbuchserien und Klassiker wie Goethe, Kafka und Shakespeare. Aber dafür muss ich in der richtigen Stimmung sein.
Einen Lieblingsautor kann ich so nicht benennen, da gibt es mehrere: ganz vorne dran ist da Stephen King, gefolgt von Dean Koontz und Sebastian Fitzek. Von diesen drei Autoren besitze ich die meisten Bücher. Es gibt aber darüber hinaus noch viel mehr Autoren, die ich gerne lese, z.B. Michael Schreckenberg oder den Qindiekollegen Robert Odei.

17.    Wenn du als Autor ein Buch liest, machst du es hundertprozentig als Privatperson oder liest der Autor in dir? (Leserfrage)

Das kommt sehr auf das Buch an. Bei Lyrik bin ich da schmerzfrei, diese lese ich als Privatperson. Da genieße ich einfach die Worte. Wenn ich Romane und Kurzgeschichten lese, stoßen mir Rechtschreibe- und Grammatikfehler in der Masse sehr auf, aber das kommt eher durch meinen beruflichen Hintergrund.
Dieser Hintergrund macht es mir aber bei Fachbüchern, die meine Fachgebiete betreffen schwer, diese objektiv zu lesen. Häufig denke ich immer: das hätte ich aber anders gemacht, dort hätte ich eine andere Schriftgröße genommen und das sehe ich fachlich aber ganz anders. Das ging auch schon so weit, dass ich Emails an den Verlag oder den Autor verfasst habe, und einmal kam es dadurch auch zu einer Änderung in der neuen Auflage.

18.    Welches Buch hättest du gerne selber geschrieben?
Eindeutig die Harry-Potter-Reihe. Nicht wegen des Erfolges, sondern wegen der komplexen Welt dahinter. Ich beneide J.K. Rowling darum (im positivsten Sinne), dass sie eine solche Welt erschaffen konnte, mit allen Figuren, Orten, Zaubersprüchen und Handlungssträngen. Dadurch wurde ich zu einem riesigen Potterfan, und diese Fanliebe ist durch die Bücher manifestiert wurden.

19.    Welche Kritik hat dich am meisten gefreut oder geärgert?

Die erste schöne Kritik betrifft noch kein konkretes Buch. In der Berufsschule wurde der Deutschunterricht durch einen Lehrer geleitet, der auch noch Sport unterrichtete in unserer Klasse. Er neigte dazu, den Unterricht trocken zu gestalten, gab aber dafür auch mal untypischen Themen Platz in den Stunden. Da ich bereits da sehr viele Gedichte zu Papier gebracht – und er dies bei mir gesehen hatte, bat er mich, meine Gedichte mit zu einem geplanten Krankenhausaufenthalt mitnehmen zu dürfen. Als er danach wieder zurückkam, meinte er trocken, dass meine Gedichte nichts für kranke Menschen im Krankenhaus wären, dafür zögen einen die Gedanken häufig zu sehr ins Dunkel (damals habe ich sehr düster geschrieben). Ergänzend sagte er, ich solle unbedingt weitermachen.:)
Geärgert habe ich mich über eine negative Rezi zu WANDEL, welche nicht den Inhalt beurteilte, sondern die Orchidee auf dem Cover und den optischen Aufbau im Buch. Damit konnte ich nichts anfangen, denn sowohl das Cover als auch die gesamte optische Gestaltung sind nur Teile des Ganzen. Ich hätte mir gewünschte, dass die Rezensentin auch darüber hinaus beurteilt hätte.

20.    Was wird dein nächstes Projekt?

Mein nächstes Projekt ist mein zweiter Gedichtband, dessen Veröffentlichung noch vor Weihnachten geplant ist. Der Titel lautete GEDANKENWIRBEL.
Dann werde ich mich wieder an meine Romanidee setzen.

21.    Wo findet man dich im Internet?

www.facebook.com/autorinkathleenstemmler
www.kathleenstemmler.de

Vielen Dank für deine Antworten und dir und allen Lesern eine schöne Adventszeit, Kathleen.

 

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