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Interview mit Marita Sydow Hamann – Teil 1

20/07/2013

Von Sandra Janke

literatur-diskussionDie im Jahr 1973 in Norwegen geborene Marita Sydow Hamann wuchs in Deutschland, Österreich und Spanien auf, lebt heute allerdings mit ihrer Familie in Schweden. Dort beschäftigt sie sich vor allem mit dem Schreiben und der kreativen Kunst. Sie veröffentlichte bereits mehrere Kinderbücher und auch zwei Romane selbständig, bevor ein österreichischer Verlag auf ihre als eBooks erschienenen Romane aufmerksam wurde und einen davon schließlich im Mai 2013 herausbrachte. Im ersten Teil eines ausführlichen Interviews für www.literatur-diskussion.com sprach die Autorin über ihre schriftstellerische Arbeit, ihr Dasein als Indie-Autorin und ihren ersten ernsthaften Kontakt zu einem Verlag.

 

literatur-diskussion: Seit wann schreibst du Texte?

Hamann: Im Grunde genommen schreibe ich seit Kindesbeinen an. Nur das die Geschichten früher in meinem Kopf stattfanden. In der Schule war ich in Aufsätzen besonders gut. Aber angefangen Geschichten auf Papier zu verfassen habe ich erst als wir nach Schweden zogen. Ich schrieb einige Kurzgeschichten für Kinder. Der Gedanke einmal ein ganzes Buch zu schreiben reifte. Er wurde zu einem fixen Traum. Doch es verging immer viel Zeit zwischen den kleinen Geschichten, ich hatte reichlich anderes zu tun. So machte ich hier in Schweden beispielsweise an der Abendschule mein „ABI“ im Fach Schwedisch, nur für den Fall, dass ich mein Lehramtsstudium vielleicht hier beenden wollte. Dann folgte eine Ausbildung zur Persönlichen Assistentin, alles neben meiner Vollzeitarbeit.

Als ich später eine feste Stelle bei einer jungen Frau namens Jolene hatte, die viele Ruhepausen benötigte und meine Nebentätigkeiten auf ein Minimum geschrumpft waren, beschloss ich meinen Traum in die Tat umzusetzen. Ich begann mit der Recherche über Mythologien und Runen, entwarf einen roten Faden und schrieb mein erstes Kapitel. Ich erinnere mich noch sehr genau daran wie stolz ich war, als ich dieses Kapitel in Händen hielt. Jolene schaute mich nur unverständlich an, 20 Seiten? Das ist ja noch nicht viel … 😀 Aber es war mein Anfang! Ich begann Jolene von meinen Ideen zu erzählen, sie war begeistert bei der Sache und kam mit eigenen Vorschlägen, die ich zum Teil in meine Geschichte einbaute. Wir hatten viel Spaß. Allerdings ging es mir gesundheitlich immer schlechter. Ich hielt durch, wie man das halt so macht. Als ich endlich kürzer trat, war es zu spät. Ich war völlig am Ende.

Das Schreiben wurde für mich zur Therapie. Mich in eine andere Welt zu versetzen, mich „auszuklinken“, half mir die Schmerzen auszublenden. Das ist auch immer noch so. Schreiben ist für mich nicht nur Hobby oder Arbeit, es ist viel mehr. Ein Werk zu beenden, auf etwas zu blicken, das man selbst erschaffen hat, ist unglaublich gut für die Seele. Es macht zufrieden. Und hilft einem dadurch, unschöne Lebensumstände zu ertragen. Im Grunde genommen ist Schreiben für mich wie Schokolade, ein legales Suchtmittel, das Balsam für die Seele ist. Auch wenn niemand meine zukünftigen Bücher lesen würde, ich würde weiterschreiben, weil es mir Freude bereitet.

literatur-diskussion: Deine Texte erscheinen in englischer, doch vor allem in deutscher Sprache. Ist es problematisch von Schweden aus im deutschen Literaturmarkt selbständig „mitmischen“ zu wollen?

Hamann: Einiges ist komplizierter. Ein Glück, dass man heute so viel über das Internet machen kann.

Das erste Problem entstand, als ich mein Manuskript an Verlage schicken wollte. Etwas zu verschicken, das schwerer ist als ein normaler Brief, ist von Schweden aus wirklich teuer. Es ist mir ein Rätsel, dass überhaupt Pakete verschickt werden! Und dann verlangen Verlage, dass man frankierte Briefumschläge mitsendet. Wo bitte bekommt man in Schweden deutsche Briefmarken? Meine Mutter war dann so lieb und hat mir welche geschickt, die dann kurz darauf wieder nach Deutschland flogen, auf einem Umschlag im Umschlag. Was für ein Hin und Her. Das sind natürlich kleine Hürden, es gibt Schlimmeres. Werbung in eigener Sache zum Beispiel. Ich kann nicht losziehen und mein Buch anpreisen. Ich kann nicht mal eben irgendwo eine Lesung machen, die Kosten übersteigen den Nutzen ungemein. Sowas ist erst rentabel, wenn ich eine Lesereise planen kann. Irgendwann mache ich das bestimmt. *träum*

Ohne das Internet wäre es einfach unmöglich als Indie in Deutschland Bücher verkaufen zu wollen. Und auch da gibt es Grenzen. Einige Plattformen machen nur mit deutschsprachigen Ländern Geschäfte. Bei anderen reicht es, eine Bankverbindung in Deutschland zu haben.

Steuern zu bezahlen ist die nächste Hürde. Es gibt Doppelsteuerabkommen, so dass ich nicht in allen Ländern bezahlen muss. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, habe ich einen Steuerberater eingeschaltet. Hier in Schweden ist das nicht üblich, meist ist alles so einfach zu verstehen, dass man seine Steuererklärung selbst machen kann. Ich eröffne gerade eine Firma, denn sobald ein Gewinnanspruch bei deinem Hobby vorliegt, wird das Hobby hier in Schweden gleich zum Geschäft. Die Regeln in Deutschland kenne ich nicht. Aber so etwas wie auf 450 Euro-Basis arbeiten, gibt es hier jedenfalls nicht.

literatur-diskussion: Was hat dich bei deiner Entscheidung beeinflusst, sodass du von Beginn an als Indie-Autorin unterwegs bist?

Hamann: Ich habe den ersten Teil der Trilogie nur für mich geschrieben, um mir selbst zu zeigen, dass ich ein ganzes Buch schreiben kann. Als es fertig war, gab ich es meiner Familie. Meine Erwartungshaltung war ehrlich gesagt nicht hoch. Ich konnte nicht beurteilen, ob meine Art zu schreiben für andere interessant war. Als ich durchweg positives Feedback bekam, auch von Freunden und Bekannten, dachte ich mir, dass es nicht schaden kann, das Manuskript an ein paar Verlage zu schicken. Wie oben schon erwähnte, ist es sehr teuer von Schweden aus Briefpakete zu verschicken. Ich gab ein gefühltes halbes Vermögen aus, um Leseproben an etwa zehn Verlage zu senden. Dass es schwierig wird, habe ich mir schon gedacht. Aber dass die bis zu einem Jahr und mehr benötigen würden, um zu antworten, das hatte ich nicht erwartet. Als dann endlich die ersten Briefe eintrudelten, musste ich lernen, dass alle das Gleiche schreiben: Das Buch passt nicht in unser Verlagsprogram.

Ich habe danach sehr schnell beschlossen, dass es auch anders gehen muss. Nebenbei schrieb ich noch einmal zehn Verlage an, ich wartete aber nicht mehr gespannt auf die Antworten, sondern hatte schon Kontakt zu einem Selbstverlag aufgenommen. Ich verlegte eine Taschenbuchausgabe von „Die Erben der alten Zeit – Das Amulett“. Sie verkaufte sich nur mäßig, aber mein hauptsächliches Ziel war es, mein Buch tatsächlich in Händen halten zu können. Das war schon ein tolles Gefühl!

Als ich von Kindle Direkt Publishing erfuhr, beschoss ich es zu versuchen. Und schon war ich damit beschäftigt, mich über E-Books schlau zu machen. Ich habe es nicht bereut, diesen Weg gewählt zu haben. Ich würde es jederzeit wieder tun. Nur dadurch hat der Verlag mich entdeckt, nur dadurch mache ich mir langsam einen Namen. Wie sich alles entwickelt, das werde ich sehen. Es ist eine spannende Zeit für mich.

literatur-diskussion: Welches sind für dich Nachteile, die das Selbstverlegen mit sich bringt?

Hamann: Jeder Schritt zum fertigen Buch, jeder Schritt bei der Veröffentlichung, jede Werbung bleibt an mir hängen. Ich muss immer und überall online präsent sein, Kontakte pflegen, lesernah arbeiten.

Kosten wie das Lektorat, Covergestaltung, Werbung und vieles mehr muss ich aus eigener Tasche zahlen, ohne zu wissen, ob das nächste Buch überhaupt die Kosten einspielt.

Allerdings sind die Schritte zum fertigen Buch für mich eine spannende Sache. Ich sehe es als Herausforderung ein rundes Werk zu kreieren.

literatur-diskussion: Deine ursprüngliche Indie-Romanreihe Die Erben der alten Zeit wurde von einem österreichischen Verlag entdeckt. Der erste Band ist bereits unter dem Titel Das Amulett erschienen. Welche neuen Möglichkeiten ergaben sich dadurch für dich?

Hamann: Mein Buch kommt in die Buchhandlungen! Außerdem erhält mein Buch gute Werbung, vom Verlag her und von der PR-Firma Buch Contact. Beides wäre mir nicht möglich gewesen. Das sind die wirklich großen Möglichkeiten, die sich durch einen Verlagsvertrag bisher ergeben haben. Alles Weitere wird sich zeigen.

literatur-diskussion: Was war deine erste Reaktion auf die Anfrage des Verlags: überwog die Freude oder doch das Bedenken?

Hamann: Als allererstes habe ich denen zurückgeschrieben, dass ich nicht daran interessiert bin, Geld auszugeben. Wenn die also kein seriöses Angebot machen, bin ich nicht interessiert. Ich hatte schon mit zu vielen Druckostenvorschussverlagen zu tun gehabt, als dass ich mich sofort gefreut hätte.

Danach kam beides. Freude und Bedenken. Ich bin aber auch überschwänglich rumgehüpft, als ich begriff, dass die Anfrage ernst gemeint war. 😀

Was den Vertrag angeht, habe ich einen Anwalt eingeschaltet. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Und dafür gebe ich auch gern Geld aus. Ich muss wissen woran ich bin.

 

Im zweiten Teil dieses Gesprächs spricht Marita Sydow Hamann über die Vor- und Nachteile des Selfpublishings und erzählt von ihren privaten Erfahrungen im Verlagswesen.

 

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Tags:

Qindie-Bücher

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